Vetternwirtschaft in Eisenach

Die beiden bedeutendsten Musiker des „Bachclans“ in Eisenach kannten sich von Kindesbeinen an. Denn in die Familie des späteren Eisenacher Organisten Johann Christoph Bach (1642-1703) wurden auch dessen Cousins, die Zwillingsbrüder Johann Ambrosius (Bachs Vater, 1645–1695) und Johann Christoph (späterer Hofmusiker in Arnstadt), nach dem frühen Tod ihres Vaters in Arnstadt aufgenommen und musikalisch ausgebildet. Über die Zwillingsbrüder schrieb später Carl Philipp Emanuel Bach: „Sie liebten sich aufs äußerste. Sie sahen sich einander so ähnlich, dass sogar ihre Frauen sie nicht unterscheiden konnten.“ Auch als Musiker waren sie nicht zu unterscheiden und konnten sich gegenseitig vertreten. Beide beherrschten virtuos das Geigenspiel und waren Mitglieder der Erfurter Ratsmusik. Während der Zwillingsbruder als Hofmusiker nach Arnstadt ging, erhielt Johann Ambrosius zeitgleich eine Stelle als Leiter der Stadtmusik in Eisenach. Diese umfasste vielseitige Aufgaben, vom Turmblasen bis zur musikalischen Begleitung der Gottesdienste und jeglicher Feierlichkeiten in der Stadt und bei Hofe. In der Stadtchronik ist großes Lob über eine Ostermusik nachzulesen, die Johann Ambrosius wie „kein Cantor und Hausmann weil Eisenach gestanden nicht gesehen“ anleitete. Ob er zu dieser Gelegenheit bereits die Werke seines so außerordentlich begabten Cousins Johann Christoph Bach aufgeführt hat?


Obwohl die Bachsche Musikerdynastie eine verwirrend große Anzahl an Johann Christophs aufweist, sticht der Sohn des Arnstädters Heinrich Bach in mehrfacher Hinsicht hervor. Viele seiner vermutlich einst zahlreichen Werke sind nicht überliefert, jedoch verraten die tiefgründigen Motetten und Kantaten sowie seine monumentalen Geistlichen Konzerte eine tiefe Begabung. In der Bachfamilie galt Johann Christoph Bach als der „große und ausdrückende Komponist“. Johann Sebastian Bach, der ihn in Kindertagen als Organist an der Georgenkirche erlebte und durch ihn sicherlich auch in die Geheimnisse des Orgelbaus eingeweiht wurde, liebte dessen Werke ganz besonders. Carl Philipp Emanuel Bach berichtet später dem Bachbiographen Forkel, dass sein Vater in der Leipziger Zeit Johann Christophs 22-stimmiges Meisterstück „Es erhub sich ein Streit im Himmel“ zur Aufführung brachte. Dazu ergänzte Johann Sebastian Bach handschriftlich zu jeder Stimme den Text. Auch wenn Johann Christoph Bach in Eisenach als Organist, Cembalist und Komponist hoch geschätzt wurde, hatte er doch große finanzielle Nöte. Nicht zuletzt durch seine Schulden kam es immer wieder zu Auseinandersetzungen mit der Stadt. Allerdings erhörte man seine Bittschreiben, unterstützte ihn und verschaffte ihm einige Räume in der sogenannten „Eisenacher Münze“. Das Haus ist bis heute erhalten. Charakteristisch für die mitunter recht familiär geprägten Werke des Altbachischen Archivs, steht die vergnügliche Kantate „Meine Freundin, du bist schön“, die Johann Christoph Bach zur Hochzeit von Johann Ambrosius gleichnamigem Zwillingsbruder komponierte. Es ist gut möglich, dass Johann Christoph den Violinenpart Johann Ambrosius auf den Leib schrieb und selbst zur Aufführung während der Hochzeitsfeier am Cembalo saß.

 Download: Stammbaum der Bachfamilie Eisenach