Karrieresprungbrett der weitverzweigten Bach-Familie

Im 17. und 18. Jahrhundert bestimmten Johann Sebastian Bachs Vorfahren und Verwandte als die sogenannten „Bache“ das Musikleben Erfurts. Der Name stand in der freien Reichsstadt zeitweilig synonym für ihren Beruf. Sie waren Stadtmusikanten und Organisten. Erfurt galt als zentrale Ausbildungsstätte der Thüringer Bachfamilie. Hier vervollkommnete der Nachwuchs das Musikerhandwerk. Viele Mitglieder des „Bachclans“ verblieben in der Stadt. Allein in der Kaufmannskirche wurden über diesen Zeitraum 61 Kinder der Bach-Familie getauft und zwölf Ehepaare getraut. Auf dem ehemaligen „Gottesacker“ waren einige von ihnen begraben. Mit den Söhnen des Wechmarer Bäckers und Stadtpfeifers Johannes Bach (gest. 1626), Johann und Christoph Bach – begann der Aufstieg der Musikerdynastie in Erfurt. Fast 40 Jahre war Johann Bach als Organist an der Predigerkirche und St. Johannes tätig. Mit ihm ging die Leitung der zunftmäßig organisierten Stadt- und Ratsmusik in die Bachfamilie über. Sie wurde über Generationen weitervererbt, unter anderem an Johann Egydius und dessen Sohn Johann Bernhard. Auch Johann Sebastians Vater Ambrosius fand ab 1667 sein Auskommen als Ratsmusiker und Geiger bis zu seinem Weggang nach Eisenach.


Zu den Aufgaben der Stadtmusiker gehörten Türmer- und Wachdienste, das Blasen von Fanfaren oder Chorälen zum Tagesablauf, die sonntägliche Kirchenmusik und das Musizieren zu privaten und öffentlichen Feiern in der Stadt. Auch besondere Anlässe wie der alljährliche Ratswechsel gestalteten die Stadtmusiker. Beim Erfurter Friedensfest zur Feier des Westfälischen Friedens musizierten die Brüder Johann und Christoph Bach. Die „Bache“ fanden zunehmend musikalisch immer höhere Anerkennung, was sich auch durch besondere Privilegien wie der Befreiung von Wach- und Frondiensten zeigte. Das Wirken der Stadt- und Ratsmusiker ist kaum überliefert. Bekannt ist, dass sie eine Vielzahl an Instrumenten, darunter Zinken, Dulziane, Pommer, Krummhörner und Posaunen beherrschten. Kompositionen und Handschriften finden sich eher bei den Organisten und Kantoren der Familie. Die ersten musikalischen Werke der Familie sind von Johann Bach erhalten. Darunter befindet sich die Trauerarie „Weint nicht um meinen Tod“, ein barockes Sinnbild irdischer Vergänglichkeit, das Trost und Zuversicht besonders in Zeiten von Pest und Dreißigjährigem Krieg vermittelte.