Musikleben der Familie Bach in Ohrdruf

Der Name „Bach“ findet in den Ohrdrufer Kirchenbüchern bereits erstmals im Jahr 1564 mit der Hochzeit einer Margarethe Bach Erwähnung. Johann Sebastian Bachs 14 Jahre älterer Bruder Johann Christoph Bach (1671–1721) begründete die über 100 Jahre anhaltende Musiktradition der Bachfamilie in dem Thüringer Städtchen. In Erfurt geboren wurde er bei seinem Vater Ambrosius in Eisenach ausgebildet. Beim berühmten Johann Pachelbel erhielt er an der Erfurter Predigerkirche eine dreijährige Organistenausbildung, die ihm mit nur 18 Jahren zur Stelle an der Ohrdrufer Hauptkirche St. Michaelis verhalf. Zu seinem Lehrer Pachelbel hielt Johann Christoph Bach Kontakt und schätzte seinen Rat in Orgelfragen. So erstellte Pachelbel auch ein eigenhändiges Gutachten über die neue Ohrdrufer Orgel in St. Michaelis, deren Mängelliste Johann Christoph nur ergänzte.


Johann Christoph Bach vermittelte seinem Bruder Johann Sebastian nicht nur eine fundierte musikalische Grundausbildung der Tasteninstrumente, sondern auch eine breite Repertoirekenntnis zeitgenössischer Orgelwerke: Wie später sein jüngerer Bruder übertrug auch Johann Christoph Bach Notenmanuskripte. Zwei zu Beginn des 18. Jahrhunderts aufgezeichnete Sammlungen mit Orgelwerken sind erhalten geblieben: Das „Andreas-Bach-Buch“, ein Erbstück aus dem Nachlass von Johann Christophs jüngstem Sohn, und die „Möllersche Handschrift“. Sie enthalten neben kunstfertig übertragenen Werken von Buxtehude, Froberger, Bruhns und Pachelbel auch verschiedene Frühkompositionen Johann Sebastian Bachs, unter anderem eine Fassung von Präludium und Fuge g-Moll BWV 588. Diese Autographe stellen für einige bedeutende Werke die einzige Überlieferungsquelle dar.

Ansässig im Langgassenviertel, bekam Johann Christoph Bach neun Kinder. Fünf von ihnen wurden wie ihr Vater Berufsmusiker, die das Ohrdrufer Musikleben fortführten. Johann Christophs zweitgeborener Sohn Johann Bernhard folgte seinem Vater als Organist an St. Michaelis. Nach dessen frühen Tod erhielt der jüngste Spross Johann Andreas das Amt, dem später auch die Leitung des Neujahrssingens angetragen wurde. Der jüngere Sohn Johann Heinrich wurde von Johann Sebastian in Weimar ausgebildet. Er wurde Kantor in Öhringen. Johann Christoph Bach d. J. unterrichtete als Kantor an der Lateinschule. Bis zum Tod von Johann Christoph Georg Bach 1814, dem Sohn von Johann Andreas, waren Angehörige der Familie als Organisten in Ohrdruf tätig. Seine Nachkommen wiederum führten die Ohrdrufer Musiktradition in den nächsten Generationen fort, wirkten aber als Diakone, Superintendenten und Rektoren. Auch die Einführung des Sportunterrichts geht auf Vertreter der Bachfamilie zurück. Letzter großer Vertreter der Bachfamilie war der Superintendent Ernst Carl Christian.