Der Anfang aller Bachschen Musik

Viele kleine Geschichten und Lebensdaten der Bachfamilie trug Johann Sebastian Bach als alternder Thomaskantor selbst zusammen. Als die Söhne eigene Musikerlaufbahnen einschlugen, begann er sich ab den 1730er Jahren mit seiner Familiengeschichte zu befassen. 53 kurze Biographien über Ahnen und Verwandte schrieb er im „Ursprung der musicalisch-Bachischen Familie“ auf. Zur gleichen Zeit ist höchstwahrscheinlich auch das „Altbachische Archiv“ mit den von ihm geliebten Kantaten und Motetten seiner Vorfahren von Arnstadt nach Leipzig gekommen sein.

Die Wurzeln der Musikerfamilie Bach liegen in Wechmar. Als Stammvater rekonstruierte Johann Sebastian Bach seinen Ururgroßvater Veit Bach (gest. 1619 in Wechmar), einen Bäcker, der aufgrund seiner lutherischen Religion aus „Ungern“ fliehen musste. Veit Bach nahm sein Cythringen (eine Laute) mit in die Mühle und spielte es wohl im Takt der gleichmäßig ratternden Mühlsteine: „Es muss doch recht hübsch geklungen haben“, so stellt es sich Johann Sebastian Bach vor, „und dieses ist gleichsam der Anfang zur Music bey seinen Nachkommen gewesen“. Über die genaue Abstammung des „Weißbeckers“ Veit Bach streitet sich bis heute die Bachforschung. Weder die Herkunft noch die genauen Lebensdaten, noch die Anzahl der Söhne des musikalisch begabten Bäckermeisters lassen sich zweifelsfrei belegen. Als Herkunftsregion vermutet man den nördlichen Teil des damaligen Ungarn, das Gebiet der heutigen Slowakei, in dem auch die Hauptstadt Pressburg (Bratislava) lag.


Interessanter jedoch ist, warum Veit Bach ausgerechnet nach Wechmar in Thüringen floh. Darüber geben Kirchenbücher rege Antwort, denn bereits einige Zeit vor Veit Bach lässt sich der Familienname Bach in der Region nachweisen. In Wechmar wird um 1554 ein „Hans Bach“ erwähnt. War er womöglich ein Vorfahre oder der Vater von Veit Bach? Nach dieser Theorie könnte Veit Bach womöglich in jungen Jahren aus Wechmar ausgewandert und später zurückgekehrt sein. Die zerzausten und immer wieder neu gesponnenen Fäden des Familienstammbaumes lassen sich erst ab der zweiten und dritten Generation nach Veit Bach recht gut entwirren. Ab dieser Ära wird es musikalisch hochspannend, denn aus dieser Zeit sind die ersten Kompositionen bekannt. Johannes (gest. 1626), ein Sohn von Veit Bach, war anfänglich Bäcker, später dann Stadtpfeifer in Gotha. Er hatte drei für die Nachwelt bemerkenswerte Söhne, die alle in Wechmar geboren wurden: Einmal Johann (1604–1673), der erste komponierende Bach, Ratsmusiker und Begründer der Erfurter Linie (bitte verlinken zu Bachfamilie Erfurt), dann Heinrich (1615–1692), Organist und Begründer der Arnstädter Linie (bitte verlinken zu Bachfamilie Arnstadt) und schließlich Christoph Bach (1613–1661), Johann Sebastian Bachs späterer Großvater, der recht früh in Arnstadt verstarb und die begabten Zwillingsbrüder Johann Ambrosius Bach (bitte verlinken zu Bachfamilie Eisenach) und Johann Christoph hinterließ.